Initiative Demenzsensibles Krankenhaus

22. November 2022

Wenn Menschen mit Demenzerkrankungen ins Krankenhaus müssen...

DÜSSELDORF, 22. November 2022: „Wenn Menschen mit Demenzerkrankungen ins Krankenhaus müssen … steht deren Welt von jetzt auf gleich auf dem Kopf. Sie verlieren die Orientierung und ihre vertrauten Strukturen“, erklärt die Demenzbegleiterin am St. Martinus-Krankenhaus, Düsseldorf, Christina Hesselink. Die ausgebildete Altenpflegerin gehört zum Team der Geriatrie. Und sie weiß um die Probleme von demenziell erkrankten Menschen, wie etwa Desorientierung, Stimmungsschwankungen und mangelnde Kommunikationsfähigkeit. Seit rund einem Jahr unterstützt Frau Hesselink das Pilotprojekt „Demenzsensibles Krankenhaus“ in einer der drei geriatrischen Stationen.

Wie kann man Patientinnen und Patienten helfen? „In unserem Haus gibt es beispielsweise Orientierungshilfen für die Betroffenen. Wir haben Zimmer, in denen Tür, Schrank und Bett mit farbigen Piktogrammen markiert sind. Damit der Patient sein Zimmer besser wiederfinden kann“, erklärt Monika Kucuk, die das Projekt in Anlehnung an die Demenz-Charta ins Leben rief. „Zudem sind die Patientenzimmer mit Kalendern ausgestattet, die nicht nur große Zahlen, sondern auch zur Jahreszeit passende Bilder haben.“ Und fügt hinzu: „Hier funktioniert die nonverbale Kommunikation mit den Patienten besser als wortreiche Erklärungen!“

„Als größte Geriatrie in Düsseldorf hat Demenzsensibilität für uns einen besonderen Stellenwert. Krankenhäuser müssen sich zunehmend auf die Behandlung älterer Patienten einstellen, die häufig mehrfach erkrankt und zudem kognitiv eingeschränkt sind. Eine demenzsensible Ausrichtung innerhalb der Pflege ist eine Antwort auf diese Herausforderung“, dieser Meinung ist unser Pflegedirektor Tim Plaggenborg.

Demenzsensibilität im Krankenhaus bedeutet auch, dass man die Patient*innen mit ihrem Charakter individuell erfasst. „Das ist das A und O. Wir brauchen die Lebensgeschichte des Patienten, um zu verstehen, warum sich ein Patient so verhält, wie er es tut. Mit diesem Wissen können wir Geborgenheit vermitteln und den Aufenthalt im Krankenhaus für ihn leichter und angenehmer gestalten.“ Diese sogenannte Biographie-Arbeit hat sich als besonders aussichtsreich erwiesen. Und es gibt einen weiteren Nebeneffekt: „Wenn es uns gelingt, das Gefühl von Geborgenheit und Wertschätzung auf den Patienten zu übertragen, kann dadurch das Risiko für ein Delir oder einen Sturz reduziert werden. Auch Verhaltensauffälligkeiten wie etwa Suchen, Laufen, Unruhe etc. können dadurch abgemildert werden“, weiß Christiane Hesselink.

So ist die Zwischenbilanz dieses besondere Projektes rundum positiv. „Ziel ist es, das Konzept auf die gesamte Geriatrie auszudehnen. Im nächsten Schritt sind dann weitere Abteilungen, wie etwa Innere Medizin oder Chirurgie, eingeplant, also Abteilungen, in denen nicht die Demenz führend in der Behandlung ist, jedoch eine wichtige Rolle spielt“, erklärt Plaggenborg.
 

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