Bericht: Verkehrserziehung für die fünften Klassen

17. Mai 2022

Lara Göhde ist die einzige aus der Klasse, die heute nicht mit dem Rad zur Schule gekommen ist. „Ich habe mir vor einigen Tagen bei einem Radunfall die linke Hand gebrochen“, antwortet die Elfjährige aus Breyell auf die Frage von Polizeihauptkommissar Martin Gennert nach ihrem Gipsverband. Der Verkehrserzieher ist heute in der ersten Unterrichtsstunde zur 5c der Liebfrauenschule Mülhausen ins Klassenzimmer gestoßen. Statt Deutschunterricht mit Lehrerin Stella Hoffmann steht im Dachgeschoss Verkehrserziehung auf dem Stundenplan.

Nach ein paar einführenden Worten, in denen es beispielsweise um die Gefahren des Handys im Verkehr geht, belässt Martin Gennert es nicht bei der Theorie. Unten im Pausenhof schart der Grefrather die 25 Schülerinnen und Schüler um sich, zückt sein Handy und schreibt eine WhatsApp. „15 Sekunden hat das gedauert - jetzt schauen wir mal, wieviele Schritte wir in dieser Zeit zurücklegen“, verdeutlicht der Verkehrserzieher, was alles passieren kann während der kurzen unachtsamen Zeit einer App-Botschaft im fließenden Verkehr.

Beim praktischen Unterricht erfährt der 57-Jährige, dass Lara nicht die einzige ist, die auf dem Rad unliebsame Bekanntschaft mit dem Straßenasphalt gemacht hat. „Am Lobbericher Amtsgericht habe ich vergessen zu gucken. Und schon hat ein Autofahrer meinen Fahrradreifen erfasst“, beschreibt Thilo Hollenbenders eine brenzlige Situation, bei der es zum Glück beim Sachschaden blieb. Dem Zehnjährigen war das eine Lehre, trotz Zebrastreifen die Augen offen zu halten und sich immer auf die Verkehrssituation zu konzentrieren.

„Schaut immer sicherheitshalber in die Autos rein, was dort passiert“, rät Martin Gennert den Fünftklässlern. Nicht nur die Betätigung mit dem Handy halte die Autofahrer vom achtsamen Blick auf die schwächeren Verkehrsteilnehmer ab. Streiten mit dem Mitfahrer, beidhändig Döner essen, die Brille putzen, rasieren, popeln ... - „alles schon erlebt“, sagt Martin Gennert. Der Polizist erzählt den Liebfrauenschülern, wie er selbst einmal als Kind auf einer Kühlerhaube gelandet ist, als er am Wegesrand einem Hasen hinterherblickte und eine Sekunde nicht auf die parkenden PKWs geachtet hat.

So kommen die Liebfrauenschüler ins Erzählen und reflektieren eigene schwierige Situationen auf dem Rad. Von einem Crash berichtet Emily Houben aus Brüggen. Als die Elfjährige nichts Schlimmes ahnend am Fahrradgeschäft auf eine Freundin wartete und plötzlich in einen Unfall geriet, war Holland in Not. Auch hier verhinderte ein Schutzengel böse Verletzungen oder Schäden am Rad.

Mit einer Fülle an Tipps und praktischen Beispielen entlässt Martin Gennert nach gut einer Stunde die 5c und wendet sich der nächsten Fünferklasse zu. Das Sicherheitstraining mit dem Beamten zum Anfassen war nicht nur lehrreich, sondern hat Spaß gemacht.„Gerade für die Jüngsten an der weiterführenden Schule ist die Verkehrserziehung wichtig“, sagt der Kommissar der Dienststelle Verkehrsunfallprävention der Kreispolizeibehörde Viersen. An der Liebfrauenschule wohnen die wenigsten Schüler um die Ecke, viele radeln aus umliegenden Orten wie Wachtendonk, Hinsbeck, Kempen, Süchteln, Stenden oder Breyell nach Mülhausen.

 



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